Leben an Bord
Schon um 8 Uhr legen wir ab um bis Danzig durch zu fahren. Mit dem Wind aus West geht es dann gemächlich weiter gen Osten. Leider haben wir dann um 13 Uhr einen Winddreher auf Nord-Ost, also muss Dino ran. Erst gegen Abend ist es wieder möglich mit dem Blister einen leichten Hauch einzufangen, allerdings hilft uns jetzt auch die Strömung.
SY Carli-Ulte

SY Carli-Ulte

Achteraus sehen wir langsam die Carli-Ulte ran kommen. Bevor diese in den Hafen von Wladislawowo abdreht, machen wir noch schnell ein paar Fotos um sie dann beim nächsten Treffen (wir haben anscheinend den gleichen Weg) an die Crew zu übergeben. Kurz nach der Hafeneinfahrt erreicht uns ein Funkspruch der Carli-Ulte. Der Hafen hätte keinen Platz mehr für sie und deshalb würden sie sich uns anschließen. Nachdem Robert dann unseren Kurs genannt hat, welcher nah am Land vorbei genau zwischen einem militärischen Sperrgebiet und dem Ufer vorbeiführt, kommt die Frage nach unserem Tiefgang. Carli-Ulte hat 2 m Tiefgang und ist etwas zögernd, Robert kann aber die Zweifel ausräumen. Wir sehen dann auch, dass die Carli-Ulte mit ihrem Kurs etwas näher an das Sperrgebiet rangeht. Wir beide sind auch noch nie so nah an der Küste vorbeigefahren und entdecken erstaunt die neue Geräuschkulisse mit den sich am Strand brechenden Wellen. Ansonsten ist es ruhig und friedlich. Ein Baggerschiff will noch passiert werden und da keine Signale uns die Seite vorgeben, beschließen wir auf unserem Kurs zu bleiben und rechts daran vorbeizufahren. Erst nachdem wir es passiert haben sehen wir, dass wohl Unterwasser über einen langen Schlauch der ausgebaggerte Sand auf den Strand befördert wird. Puh, da haben wir ja noch mal Glück gehabt, das wir mit unseren 1,55 Meter Tiefgang über den Rüssel gekommen sind.

Kurz vor der Danziger Bucht um 24 Uhr, verlässt uns der Wind komplett und auch die Strömung begleitet uns nicht mehr. Also muss Dino wieder ran mit 1200 Umdrehungen tuckern wir durch die Nacht und lassen Carli-Ulte zurück. Es ist mal wieder total spannend in den wenigen Stunden der Dunkelheit auf eine Stadt zu zufahren.
Kleiner Bord-Imbiss

Kleiner Bord-Imbiss

Wir haben bestimmt noch 3 Stunden bis in die Hafeneinfahrt, aber Danzig ist aufgrund der vielen Lichter schon toll zu erkennen.
Nachdem wir uns abwechselnd ein wenig Schlaf gegönnt haben, erreichen wir die Hafeneinfahrt um 4 Uhr morgens. Robert meldet uns an und wir haben freie Einfahrt. Dies ist ein sehr beeindruckender riesiger Hafen.
Einfahrt in den Hafen

Einfahrt

 

Der Hafen

Der Hafen

Westerplatte

Westerplatteund Robert müht sich damit ab, unsere mal wieder verhedderte Nationale dreimal zu dippen (Flaggengruß). Wir fahren eineinhalb Stunden bis wir den Stadthafen und die darin befindliche Marina erreichen. Wir sind nicht gerade erfreut, dass die verhältnismäßig kleine Marina lediglich nur einen freien, aber mit einem Schildchen reservierten Platz hat. Also legen wir an einem Festmacher vor der Marina an. Plötzlich erschallt, in dem so ruhigen Hafen, eine Lautsprecherdurchsage. Wir verstehen nur Bahnhof, da polnisch, bekommen aber doch die recht aufgeregt wirkende Stimme mit. Schon eilen ein Sicherheitsmann und ein aufgeregter Mann auf Iris zu. Sie bedeuten ihr hier eben nicht festmachen zu dürfen es ist der Museumsanleger. Sie lächelt die Beiden freundlich an und bedeutet ihrerseits, dass wir dann halt wieder ablegen. Schon ist die Luft bei den Beiden raus und sie lächeln sogar. Also wird an der viel zu hohen Kaimauer festgemacht, nicht ohne Skrupel, wirft Iris die Leine um einen Festmacher in der Mauer an dem sich eine Taube samt Nest befindet. Die Taube flüchtet, die Leine ist fest und das Ei im Nest ist auch unversehrt geblieben. Wir hocken uns in den Steuerstand und grübeln nach, denn hier können wir zum Schlafen nicht bleiben, da ein Schild ca. 5 m von uns entfernt darauf aufmerksam macht, Anlegen verboten. Unser Reiseführer sagt zwar etwas anderes, aber der ist ja auch von 2006 und wie bereits mehrfach von uns festgestellt, reichlich überholt.
Kaimauer mit Schild

Kaimauer mit Schild

Es gab leider keine aktuellere Ausgabe von dem Küstenhandbuch des Jörn Heinrichs. Bisher waren aber auch durchweg positive Verbesserungen in den Häfen festzustellen. Also, alle deutschen Skrupel über Bord und ran an den reservierten Platz, der Mieter wird schon nicht morgens um 7 Uhr auf seinen Platz wollen. Leise schleichen wir zurück, lassen der Taube ihren Brutfrieden und machen in der Marina fest. Kaum angelegt erscheint ein Wachmann, Iris fragt ihn freundlich in englisch ob das in Ordnung geht, er aber lächelt nur und sagt er wäre halt nicht der Hafenmeister. Wir legen uns erstmal hin und schlafen bis Mittags. Als Erste wach, melde ich uns bei einem Wachmann im Hafenmeistergebäude an, da der Hafenmeister erst später auftaucht. Auf dem Rückweg sehe ich, dass der Platz neben uns nicht reserviert und frei geworden ist. Flugs wird der Robert geweckt und Schiff verholen ist angesagt.

Da steuert ein kleines Motorboot genau darauf zu, Iris fragt, da keine Nationale zu sehen ist, auf englisch ob die sichtbare Frau englisch oder deutsch spricht, darauf erwidert sie nur in deutsch die Länge ihres Schiffes. Ich erkläre ihr, dass wir uns auf diesen Platz verholen müssen. Ihr Mann ist sichtlich genervt, er dreht aber ab um an einem anderen, seiner Bootsgröße auch entsprechendem, freien Platz fest zu machen. Wir können also umziehen. Später kommt dann der Hafenmeister mit dem Wachmann und als sie offensichtlich irgendetwas um uns herum abmessen, spreche ich den jungen Hafenmeister an. Daraufhin bittet er uns die Malu eventuell wieder auf den reservierten Platz zurück zu verholen, da nachmittags ein 15 m Schiff ankommen würde. Gesagt getan, also zurück aber jetzt mit der Gewissheit, dass wir dort liegen bleiben dürfen. Wir vermuten, das Carli-Ulte das angekündigte 15 m Schiff ist, aber egal jetzt gehen wir erst mal ins Städtchen. Die Danziger Altstadt ist schon toll, viele kunstvoll verzierte Häuser und nette Gassen.

 

Brunnen in der Altstadt

Brunnen in der Altstadt

Allerdings wimmelt es nur so von Touriläden und entsprechender Gastronomie. Wir schlendern durch die Gasse mit den vielen Bernsteinhändlern und halten Ausschau nach einem kleinen Schutzengel für Ursel. Nachdem wir alle Läden und Auslagen gesehen haben und Robert überall nachgefragt hat, kommen wir auf den als allererstes gesehenen Schutzengel zurück. Ich entdecke ein Café mit einer gigantischen Auswahl an Kuchen die fast alle, in der Größe eines Backblechs, in Stücken von beliebiger Größe gekauft werden können. Es ist eine so große Auswahl vorhanden, dass ich mich spontan nicht entscheiden kann. Also tingeln wir weiter bis wir müde werden.

 

Regenrinnen in Form von Drachen

Regenrinnen in Form von Drachen

Es gibt so vieles zu bestaunen. Gar wunderlich sind die unterschiedlichen Formen und Anordnungen der Regenablaufrinnen. Es ist danach nicht zu empfehlen bei Regen durch Danzig zu laufen außer, man ist Willens mehrere Duschen auf dem Bürgersteig zu nehmen. Wieder im Hafen angekommen liegt dann nicht Carli-Ulte aber ein anderes großes Schiff seitlich von uns vor dem freien Platz, in den es aufgrund seiner Breite nicht hinein passt. Da taucht auch Uli (wie sich später herausstellt) von der Carli-Ulte auf und verhandelt mit dem Hafenmeister, dass er genau auf diesen Platz möchte wo jetzt das andere Schiff liegt. Er schafft es auch und die beiden tauschen, nun sind wir festgesetzt und können nicht mehr raus, wollen wir ja auch noch nicht. Am nächsten Tag ist wieder mal waschen angesagt und zwischendurch schnell mal zu dem Café mit dem leckeren Kuchen. Ich entscheide mich so nach und nach für ca. 10 verschiedene Stückchen und es werden alle von der netten und geduldigen Verkäuferin erst gewogen um sie danach in insgesamt 3 Kuchenschachteln zu füllen.

An Bord veranstalten wir dann eine Kuchenschlacht, indem wir jedes Stückchen teilen und so eine tolle Vielfalt an Geschmacksvarianten erhalten. Wir sind so gesättigt, dass nicht mal mehr ein Abendbrot in uns reinpasst.
Kuchenschlacht

Kuchenschlacht

Am Abend vor unsere Weiterfahrt haben wir eine Einladung von Marina von der Carli-Ulte angenommen und uns mit ihr und Uli bekannt gemacht. Die beiden wollen noch einen oder zwei Tage in Danzig bleiben, und dann nach Klaipeda nachkommen.
Wandbild in Danzig

Wandbild in Danzig

Obwohl wir nicht in jede Kirche, eine haben wir etwas näher erkundet, jedes Museum und angepriesene Bauwerk latschen, hat Danzig einen großartigen Eindruck auf uns hinterlassen. Die Städteplaner waren beizeiten weise genug, die im Krieg fast völlig zerstörte Altstadt, nach alten Plänen wieder aufzubauen.
Am Längengrad d. Stadt Danzig

Am Längengrad d. Stadt Danzig

Nur dadurch ergibt sich ein sehenswertes Bild und die Touristenströme sprechen für sich. Die einstige Handelsstadt lässt sich heute, aufgrund der wieder hergestellten Handels-, Gilde- und Packhäuser sehr gut nachvollziehen. Für unsere Augen war es ein echter Farbtupfer nach den doch etwas tristen Städten wie Ustka, Leba und Kolberg.
Danzig