Um 8.00 Uhr legen wir ab und fahren durch die Goerresluis. Wir haben uns, nachdem wir sehen das der Wind aus West kommt, für den ruhigeren Törn entschieden und der geht binnen rum. Die letzte Möglichkeit für uns, dem Kampf auf der Nordsee zu entgehen. Ab Vlissingen bleibt uns ja nichts anderes mehr übrig. Also flugs durch die Schleuse und schon geht es Vorwind ab mit 6 Knoten. Ein herrliches Gefühl, wir können das Segeln so richtig genießen. Wir verpassen dann knapp, um 5 Minuten die stündliche Öffnung der Haringvliebrug, aber bei dem Kreiseln vor der Brücke ist die Zeit schnell um. Hier treffen wir auch wieder auf die Belgier aus dem Hafen Scheveningen. Gemeinsam geht es dann zur Volkeraksluis, aber erst kurz vor der Einfahrt in den Vorhafen entdeckt Robert das Schild, welches auf die Sportbootschleuse weiter rechts hinweist. Ich habe es bei meiner Konzentration auf den regen Schiffsverkehr gar nicht wahrgenommen. Also doch ein Stück gegen an und zurück.
Nach einer kurzen Wartezeit sind wir durchgeschleust. Hier erwartet uns ein Südwestwind, der uns 19x durch das viel befahrene Fahrwasser kreuzen läst. Der Motor ist aus, da die Öldruckanzeige spinnt. Also steht ich mit einem Blutdruck von geschätzt 240 am Ruder und Robert bedient die zwei Vorsegel. Das ist keine leichte Aufgabe bei Boen bis 32 Knoten, bei jeder Wende peitschen ihn die Schoten, da wir nur jeweils eine davon auf die Winsch legen können. Ich kämpfe derweil damit, mich zwischen der Berufsschifffahrt und den anderen Seglern die mit uns kreuzen, hindurch zu schlengeln. Es ist aufregend und spannend. Die Berufsschiffer sind hier offensichtlich das bunte Treiben vor ihnen gewohnt, denn sie reagieren sehr frühzeitig, so das man immer weiß ob man es noch vor ihnen schafft oder nicht. Jede Böe wird nun ausgenutzt um Höhe zu erlangen. Erst hinterher, nachdem die Anspannung von mir abgefallen ist, kann ich die Sache als hat mir richtig Spaß gemacht ansehen. Oftmals war es knapp mit den anderen Seglern, aber hier zeigt sich wer die besseren Nerven hat. Nicht nur stures Einhalten der Vorfahrtsregeln, sondern auch Fairness und Anerkennung der Leistung. Die Malu kann halt auf diesem Kurs nur so richtig bei höchstens 50 Grad am Wind laufen, also kämpfen wir um jedes Grad höher am Wind, das können die anderen Segler auch sehen und lassen uns anerkennend die Vorfahrt auch wenn sie nicht müssen, auch nicht selbstverständlich. Sie sind eh schneller hochgezogen. Vor der Krammersluisen schauen wir kurz, ob wir es noch bis zu einem Anleger an der Zandkreeksluis schaffen, aber wir entscheiden uns dagegen in die Dunkelheit zu fahren und machen hinter der Krammersluisen mit Genehmigung des Schleusenwärters für die Nacht fest.