26September

Oostende – 26.09.

bootsmann 09 - September » 2012

Wir warten auf die Segel. Um fünf vor 14 Uhr sind sie endlich da. Ein älterer Herr mit Namen Kiel erklimmt unsere Malu und hat die zwei neuen Segel dabei. Sofort schlagen wir die Genua in der Rollfock an. Gar nicht so leicht mit dem neuen sperrigen Tuch. Es sieht gut aus und der Praxistest wird zeigen, was es wirklich bringt. Dann noch die neue Starkwindfock hoch, auch hier sind wir begeistert. Herr Kiel ist während dessen mit Kaffee trinken und Geld zählen beschäftigt. Er kam von Muiden aus angereist. Unsere Genua ist wohl kurzzeitig auf dem Weg von Lemmer nach Muiden verschütt gegangen. Was sonst einen Tag dauert, hat jetzt drei gebraucht. Aber nu ist alles gut. Herr Kiel wird verabschiedet und wir werfen die Leinen los.

Ich verstehe mal wieder nicht richtig das von Robert geplante Ablegemanöver und mache eine Leine zu früh los und schon ist der arme Mann im Stress, aber es klappt dann doch, allerdings werde ich ernsthaft zum Käpten zitiert und gescholten. Ich hab’s einfach nicht richtig kapiert und gelobe Besserung. Wir fahren ein kurzes Stück zur Schleuse, Robert sucht per Funk den Kontakt zum Schleusenwärter, aber er bleibt stumm statt dessen geht die Schleuse auf und ratzfatz sind wir durch. Draußen setzt Robert noch in der kleinen Bucht das Großsegel und schon geht die wilde Fahrt, da ablaufendes Wasser, Richtung Nordsee los. Ich habe genug damit zu tun, nicht die Bojen zu titschen, da die Strömung uns sehr seitlich versetzt. Die Sturmfock wird getestet und muss aber schon bald gegen die Genua ausgetauscht werden, da der Wind etwas nachlässt und wir kaum Vortrieb haben. Mit der Genua düsen wir dann mit 8 Knoten, für uns so schnell wie noch nie, durch das Fahrwasser. Wir fliegen an Breskens und Zeebrugge vorbei, doch dann sehen voraus eine dunkle Wetterfront. In der Hoffnung es ist nur Regen, fliegen wir weiter. Die Welle nimmt wieder zu und schon bald haben wir 30 Knoten Wind. Die Genua steht gut, aber an das neue, extreme Rucken des Riggs, das durch das ganze Schiff geht, müssen wir uns erst gewöhnen.

 

Ich hole gerade ein paar Kekse, da trifft uns eine Böe mit 35 Knoten und wir müssen die Genua und das Groß fieren. Die Welle rauscht uns immer wieder ins Cockpit. Robert hat am Ruder einiges zu tun und ich sitze mit der Schot der Genua in der Hand zu seinen Füßen. Hier kann ich mich wenigstens halten. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk in Sachen Wind vorbei, aber die Welle macht uns noch zu schaffen. Die Dieselkanister verrutschen und das Knallen der Malu in die Welle, geht uns durch Mark und Bein. Das Wetter soll sich zwar beruhigen, aber wir sehen schon die nächste Front auf uns zukommen. Daher beschließen wir kurzerhand nach Oostende einzulaufen um unser Material zu schonen. Wir laufen im Dunkeln in den Hafen ein, wobei sich die Einfahrt sehr spannend gestaltet. Um 22 Uhr machen wir im Royal Northsea Yacht Club fest und nach 2 Stunden aufräumen und Putzen gönnen wir uns noch ein Nachtmahl. Morgen haben wir noch ne Menge zu verbessern, damit wir solch ein Wetter besser abwettern können.