Unser Liegeplatz in Crotone

Unser Liegeplatz in Crotone

Nach nunmehr fast auf den Tag vier Monate Winterpause in Süditalien Crotone, zieht es uns weiter.
Um 11 Uhr legen wir ab, nicht ohne uns von Josef, Pasquale und Peter herzlich verabschiedet zu haben. Draußen dann moderates Wetter zwar mit Regen und Wind aus SW. Nur eine Stunde später dreht der Wind auf N/NW. Wir ziehen unsere Bahn. Als dann am Abend der Wind auf 30 kn ansteigt bedeutet das für Robert Groß reffen und Genua durch Sturmfock ersetzen. So haben wir bis auf die Wellen wieder mehr Ruhe im Schiff und der Gummihein, das Steuerrad wird mit einem Spanngummi fixiert, kann ab und zu ran weil der elektrische Hein bei dieser Welle leider nicht funktioniert. Wir gehen abwechselnd Ruder und Ruhen. Es ist sehr anstrengend und das Salzwasser schüttet sich nur so über uns. Als wir später die Plane teilweise zu machen, ist es nicht mehr ganz so schlimm und es sieht fantastisch aus, wenn sich so ne volle Welle seitlich über die Malu ergießt. Im Steuerstand tropft es von der Decke und alles ist wieder richtig salzig.

Abschied von Josef und Pasquale

Abschied von Josef und Pasquale

Anscheinend hat die Malu wieder großen Spaß in ihrem Element und sie taucht auch immer wieder heftig mit dem Bug in der Welle ab. Wir sehen es mit Entsetzen, ist doch gerade erst der neue Bugspritbelag befestigt worden.

Der Anker und ein Spibaum schlagen an den Bug und das Geländer, aber an Sichern ist jetzt nicht zu denken. Es ist heftig da draußen und stockdunkel. Die Segelwechselaktion erfolgte gerade noch zum richtigen Zeitpunkt in einer Starkwindpause, später ging gar nichts mehr. Unter dem Schein des Deckstrahlers konnte Robert sehen was er macht und ich ihn im Auge behalten, wichtig und etwas beruhigender für mich ihn sehen zu können. Nun herrscht mehr Ruhe im Schiff. Ich hau mich mit einer Kapsel Stogeron auf der Steuerbordseite im Salon hin und wache nach einer Stunde ohne Koddergefühl wieder auf. Na, das wäre schon mal erledigt. Die Wetterberichte verkünden nichts gutes, es ist von 8 Bft die Rede.

Am Morgen sind wir am Capo Santa Maria de Léuca (Stiefelabsatz) und lauschen Bari-Radio auf Funk. Ein paar Dampfer und Fischer kriegen wir auch umschifft und schon sind wir alleine im ionischen Meer. Wir lassen die Besegelung, da wir jederzeit mit heftigen Böen rechnen müssen. Die Geschwindigkeit ist dann zwar nur bis 3 Kn, aber wir können ab und an die Hein’s in Anspruch nehmen. Erst am späten Nachmittag dreht der Wind von Nord auf etwas nordwestlicher und Robert schafft die benötigte Höhe nach Othonoi anzulegen. Jetzt ist klar, wir kommen doch noch in der Nacht dort an. In dem schmalen Übergang vom adriatischen ins ionische Meer herrscht reger Schiffsverkehr, dank AIS und wieder schnell gelernter Entfernungseinschätzung, kommen wir prima durch.

Erst kurz vor Othonoi wird die Welle erträglicher. Robert prüft den Radar, er funktioniert, Strom haben wir dank Flappi satt und genug, er bremst sich schon einen Wolf und ich ändere es dadurch, das ich mit unserem neuen Heißwasserkocher mit 850 Watt über den 1000 Watt Inverter zwei Kannen Tee koche. Die Spannung wächst, wir beide sind mächtig aufgeregt. Bei herrlichem Sternenhimmel entdecken wir spät das erste Positionslicht auf Othonoi es ist lange Zeit das einzige Licht, erst an der Insel angekommen sehen wir zwei rote Lichter und tasten uns langsam darauf zu. Robert birgt die Segel und ich gucke mir die Augen aus dem Kopf. Meine kurze Erinnerung an das Googlemapsbild hilft mir ein wenig, allerdings verwirrt mich Robert etwas, mit seiner anderen Sichtweise. Unsere elektronische Karte ist nicht sehr detailreich, deshalb kommt uns der Radar sehr zu Hilfe um die zwei Steinwälle zu umschiffen und die Einfahrt in die Bucht zu finden. Mensch ist das dunkel hier. Der Anker fällt auf 2,80m um kurz vor Mitternacht. Nach etwas Aufklaren was mehr wegputzen von Salzwasser ist, einem kleinen Snack und dem Ankommerbier, fallen wir todmüde ins Bett.

Crotone 2014